Terra 2444: Civil War 2 - Eine erste Leseprobe
Frisch von meinem Schreibtisch, gibt es heute eine Leseprobe von meinem aktuell in Arbeit befindlichen Roman "Terra 2444: Civil War 2: Der Sturm bricht los". Das Manuskript ist jetzt zu 50 % fertig und war natürlich noch nicht im Lektorat.

Ein Platoon Mikes bewegte sich vorsichtig aus den Wäldern. Die Einheit wurde angeführt von einer mächtigen 75-Tonnen-Hydra. Ein Quartett aus 45 Tonnen Pfeilfrösche folgte und verteilte sich fächerförmig vor ihrem riesigen Begleiter. Den Abschluss bildete ein 60 Tonnen Artemis.
Die Piloten dieser Kampfeinheit bewegten sich mit größtmöglicher Vorsicht. Man merkte den Bewegungen ihrer Kampfkolosse die Erfahrung an. Lieutenant Colonel Allister Thorpe Junior knabberte an seiner Unterlippe herum. Das war keine drittklassige Auswahl, die ihnen gegenüberstand. Sie hatten es mit erstklassigen Soldaten zu tun.
Allister warf einen Blick durch das Kanzeldach seines Inquisitors. Die Mikes seiner Befehlskompanie kauerten auf dem Grund eines kleinen Sees, der sich dicht an den Waldrand schmiegte. Seit Wochen jagten sie die Überlebenden der 331. Mechanisierten Division. Die Föderationstruppen erwiesen sich als hart zu knackende Nuss. Umso mehr begrüßte Allister die Gelegenheit, sie endlich zu einer offenen Feldschlacht zu zwingen.
Das Bild auf seinem HUD, auf dem das Föderationsplatoon zu erkennen war, wurde von einem der kürzlich in den Orbit geschossenen Satelliten direkt in sein System eingespeist. Der kommandierende General der Dreihunderteinunddreißigsten war beim hastigen Rückzug aus der Stadt Bornham gefallen. Daraufhin hatte dessen Nummer zwei, Lieutenant Colonel David Drayton, das Kommando über die Division übernommen.
Allister fragte sich, ob sie mit dem General nicht besser gefahren wären. Drayton – oder wie er mittlerweile spaßeshalber genannt wurde, die alte Doppel-D – entpuppte sich als findiger Gegner.
Der Mann wich gekonnt kolonialen Truppenansammlungen aus, nur um dann irgendwo anders aufzutauchen und überraschend dort zuzuschlagen, wo die Kolonialmiliz nicht oder kaum präsent war. Auf diese Weise fügten die Feds den kolonialen Verbänden immer wieder schmerzhafte Nadelstiche und spürbare Demütigungen zu.
Allisters Hände verkrampften sich um die Steuerknüppel. Aber nicht hier. Nicht heute. Sie hatten viel dafür getan, um Doppel-D endlich aus der Deckung zu locken. Das Gebiet jenseits des Waldrands stand in Flammen. Die Feuerwehr würde zum Löschen Tage brauchen. Das Treibstoffdepot war auf jeden Fall verloren. Hinzu kamen zwei Platoons, die zur Bewachung eingeteilt waren. Der Verlust war bitter, aber notwendig. Drayton wäre misstrauisch geworden, hätten man ihm das Depot einfach so auf dem Silbertablett serviert. Egal, wie der heutige Tag auch ausging, sie bezahlten einen hohen Preis, um den feindlichen Restwiderstand auf Clementis auszuschalten.
Allister beobachtete angespannt, wie die gegnerischen Maschinen wachsam vorrückten. Es war das erste Mal innerhalb von vier Wochen, dass sich die Feds aus der Deckung der Wälder wagte. Allisters Kieferknochen schmerzten vor Anspannung.
Drayton verstand es meisterhaft, seine Leute aus dem Erfassungsbereich künstlicher Augen der Satelliten herauszuhalten. Nun beging er aber einen tödlichen Fehler.
Allister wartete noch ein wenig länger – bis die sechs Mikes das Zentrum der Lichtung erreichten. Erst dann entschied er, dass es genug war.
Der Befehlshaber des 1. Dragonerregiments gab über Funk einen kurzen aus vier Signalen bestehenden Impuls durch. Die drei Kilometer südlich in Stellung gebrachte Biest-Artillerie reagierte sofort. Ihre Geschosse benötigten lediglich Sekunden, um die Distanz zu überbrücken.
Und wieder bewiesen die Piloten der 331. Division, dass sie zu den Besten der Föderation zählten. Anstatt zurückzuweichen, wie es vielleicht andere Einheiten beim ersten Anzeichen von Artilleriebeschuss getan hätten, verteilten sich die Maschinen und gingen in Sprint über. Großkalibrige Artilleriegranaten gingen zwischen den Feindmaschinen nieder. Dreck- und Erdfontänen wurden Hunderte Meter in die Luft geschleudert.
Ein Pfeilfrosch wurde am rechten Bein und seiner Hüfte getroffen. Das Gelenk blockierte daraufhin und der ScoutMike war nur noch zu ungelenkem Humpeln in der Lage. Damit wurde er zur leichten Beute. Weitere Granaten schlugen punktgenau auf seiner Position ein, durch die satellitengesteuerte Waffenerfassung mit wenigen Metern Fehlertoleranz ins Ziel gebracht. Panzerplatten von der Größe eines Kleinwagens wurden abgesprengt. Rauch und Feuer verhüllt die Gestalt des stählernen Zenturios für ein paar Sekunden. Als sich der Pulverdampf verzog, war nichts mehr zu erkennen, als das zerschmolzene Gerippe, das normalerweise unter der Panzerung verborgen lag. Bis zuletzt, hatte sich der Pilot geweigert, seine Maschine zu verlassen.
Ein zweiter Pfeilgiftfrosch entging nur knapp der Zerstörung, als mehrere Granaten ihn lediglich um Haaresbreite verfehlten. Die Hydra war zu langsam. Eine Raketensalve erwischte sie frontal und kostete den ArtillerieMike einiges an Panzerung. Aufgrund seiner Tonnage gelang es ihm aber, den Verlust problemlos wegzustecken.
Der Torso der Hydra schwenkte plötzlich in Richtung des Sees. Im selben Moment wusste Allister, was das zu bedeuten hatte. Der Regimentskommandant der Ersten Dragoner fletschte kampflustig die Zähne und spannte gleichzeitig die Kiefermuskeln an, um einen Kanal zu seiner Einheit zu öffnen. „Wir wurden entdeckt. Artillerie, Feuer einstellen! Dragoner! Vorwärts!“
Das 1. Bataillon des 1. Dragonerregiments setzte sich in Bewegung. Schwerfällig zunächst, aber dann nahmen sie Fahrt auf.
Die letzten Artilleriegranaten pflügten die Lichtung um, als die ersten Maschinen aus den Fluten stießen. Die Hydra eröffnete mit ihren vier 52-mm-Maschinenkanonen simultan den Beschuss und köpfte einen Panther der Dragoner. Der koloniale Kampfkoloss verharrte für eine Sekunde regungslos und taumelte anschließend jeglicher Führung beraubt zurück in den See.








