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Der Ruul-Konflikt
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Der Ruul-Konflikt 5: Bedrohlicher Pakt


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Söldnerehre (High/Military-Fantasy)


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Der Ruul-Konflikt 4: Verschwörung auf Serena


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Der Ruul-Konflikt 3: In dunkelster Stunde


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Der Ruul-Konflikt 2: Nahende Finsternis


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Der Ruul-Konflikt 1: Düstere Vorzeichen

Prolog

Das Sonnensystem war so unwichtig, dass es nicht mal einen Namen hatte. Seine offizielle Bezeichnung lautete XX3-8270-Charlie. Unter dieser Kennung war es in sämtlichen Sternenkarten aufgeführt. Das System bestand nur aus einem einzigen, völlig unbewohnbaren Planeten, dessen giftige Atmosphäre jegliche Form von tierischem oder pflanzlichem Leben unmöglich machte. Das gleiche galt für die drei Monde in dessen Umlaufbahn.

Das einzig wirklich Interessante war seine Lage. Es befand sich knapp außerhalb des von den Menschen beanspruchten Raums. Deshalb eignete es sich hervorragend als Unterschlupf für Piraten und anderes Gesindel.

Grund genug für die terranische Marine, in unregelmäßigen Abständen ein Kriegsschiff vorbeizuschicken, das nach dem Rechten sah. Diese Route war keine beliebte Mission; daher setzte man bevorzugt Schiffe älterer Klassen ein, die für andere Aufgaben nicht mehr zu gebrauchen waren. Diesmal hatte die TKS Manassas, ein Schwerer Kreuzer der alten Hermes-Klasse, den Schwarzen Peter gezogen.

Behäbig und für seine Verhältnisse viel zu langsam durchschnitt der zylinderförmige Rumpf des Kriegsschiffs das System. Hin und wieder blitzten die Schilde in elektrischen Entladungen kurz auf, wenn Raumschrott den Kurs der Manassas kreuzte. Davon gab es hier leider viel zu viel. Aber er war meistens zu klein, um eine Bedrohung für Schiff oder Crew darzustellen. Also wurden die geringfügigen Störungen, die er darstellte, einfach ignoriert. Seit der Kreuzer ins System eingedrungen war, arbeiteten passive und aktive Sensoren mit voller Leistung, damit nichts eine Chance hatte, ihrer Aufmerksamkeit zu entgehen. Ensign Larry Bradbury setzte die übervolle Kaffeetasse vorsichtig auf der Konsole der Radarstation ab und zwängte seinen für einen Raumoffizier etwas zu beleibten Körper mit einem erleichterten Seufzer zurück in den Sessel.

Sein Freund und Kollege, Ensign Thomas Hawkins, musterte ihn von der ComKonsole mit einem amüsierten Funkeln in den Augen. Als Bradbury merkte, dass er beobachtet wurde, musste er leise kichern.

»Geh nicht zu hart mit mir ins Gericht«, beantwortete er die unausgesprochene
Frage. »Ich bin nun mal ein Koffeinjunkie und die dritte Wache zieht sich immer
ewig hin. Ohne das flüssige Gold hier würde ich sie nicht überleben.« Er hob vielsagend die Tasse, um seinem Freund zu zeigen, wie hoch er das Gebräu schätzte.

»Hast du es schon mal mit Tee probiert? Der beruhigt die Nerven und ist nicht so schädlich wie das Zeug, das du da in dich hineinschüttest.«
In gespieltem Ekel verzog Bradbury das Gesicht. Bevor er auf die freundschaftliche
Stichelei etwas erwidern konnte, betrat Captain Yuan Chows hochgewachsene
Gestalt die Brücke des Schweren Kreuzers. Die beiden Offiziere nahmen un-verzüglich Haltung an.

Eine Geste des Kommandanten forderte sie aber auf, wieder Platz zu nehmen
und sich ihren Pflichten zu widmen.
Der Captain mit der bronzefarbenen Haut, den grünen Augen und dem zu-rückweichenden Haaransatz steuerte unverzüglich den Kommandosessel im Zentrum der Brücke an, nahm Platz und begann augenblicklich damit, die Sensordaten auf seinem Bildschirm durchzuarbeiten.

Bradbury wollte gerade einen tiefen Schluck aus seiner Tasse nehmen, als sein
Radar sich mit einem tiefen Ton meldete und um seine Aufmerksamkeit buhlte.
»Captain, ich orte ein Raumfahrzeug. Sehr groß. Es tritt in 125.000 Meilen Entfernung ins System ein«, meldete er pflichtbewusst.
»Identifikation?«
»Keine, Captain! Ich lasse die Abmessungen durch die Datenbank bekannter
Schiffstypen laufen.«
»Am besten wir gehen kein Risiko ein«, entschied Chow nach kurzem Überlegen.
»Mr. Hawkins, gehen Sie auf Abfangkurs und lösen Sie gelben Alarm aus.«
»Gelben Alarm. Aye-aye, Skipper«, bestätigte Hawkins.
Im nächsten Augenblick dröhnten bereits Alarmsirenen durch die Korridore der Manassas und schlaftrunkene Besatzungsmitglieder torkelten aus ihren Kojen, zogen sich notdürftig an und rannten diszipliniert zu ihren jeweiligen Kampfstationen.
Raketenwerfer- und Laserstellungen wurden bemannt, die Krankenstation
richtete sich auf die Ankunft Verwundeter ein und die Techniker im Maschinenraum
des Kriegsschiffes sicherten die beiden Fusionsgeneratoren und den Interstellarsprung-Antrieb, so gut es ging, vor möglichen Feuern innerhalb des Schiffes.

Commander Eugene MacDouglas, der Erste Offizier der Manassas schoss keine Minute nach dem ersten Alarmsignal aus dem Aufzug. Seine Frisur war unordentlich
und die Knöpfe an seiner Uniform noch nicht ganz geschlossen, aber sein scharfer, unsteter Blick huschte auf der Suche für die Ursache des Alarms über die Brücke. Er eilte, ohne zu zögern, an die Seite seines Captains, um einen Überblick über die Situation zu erhalten.
Sein Vorgesetzter begrüßte den zerzaust wirkenden Offizier mit einem schelmischen Grinsen.

»Tut mir leid, wenn wir Sie aus dem Schlaf gerissen haben, Eugene.«
Dieser lächelte zurück, ehe er antwortete: »Nicht so schlimm, Skipper, ich
schlafe sowieso zu viel.« Er betrachtete die Anzeigen der Radarstation und wurde
schlagartig wieder ernst.
»Probleme?«
»Wir sind uns noch nicht sicher. Ein unbekanntes Schiff ist ins System eingedrungen und identifiziert sich nicht. Wir sind bereits auf Abfangkurs.«
»Sir, ich glaube, ich habe da etwas«, meldete sich Bradbury wieder zu Wort.
»Der Computer identifiziert das Schiff als Til-Nara-Schlachtkreuzer.«
Chow und MacDouglas wechselten einen überraschten Blick.
»Til-Nara? Hier?«, brachte MacDouglas stockend hervor. »Was zum Teufel machen
die Kerle hier?«

Chow lehnte sich zurück, während seine Gedanken sich überschlugen. Das
wurde immer rätselhafter. Die Til-Nara-Hegemonie war der direkte Nachbar des
Terranischen Konglomerats. Wobei Nachbar sich nur auf die Entfernung bezog.

Die Til-Nara waren isolationistisch veranlagt und lehnten Kontakt zu anderen
Völkern fast gänzlich ab. Möglicherweise beruhte diese Mentalität auf ihrer insektoiden Abstammung.
Sie ähnelten einer Mischung aus aufrecht gehenden Ameisen und Wespen und
wurden von einem Triumvirat aus drei Königinnen regiert, das über ein Gebiet
von etwa der doppelten Größe des Konglomerats herrschte.
Militärisch waren sie äußerst stark; es war nicht ratsam, sie zu reizen. Trotzdem
hatten sie nie imperialistische Züge an den Tag gelegt, nie versucht, in andere Hoheitsbereiche vorzudringen. Ihre Schiffe waren stark bewaffnet, aber nicht sehr
manövrierfähig. All diese Dinge gingen Chow durch den Kopf, als er mögliche
Schlussfolgerungen aus der Anwesenheit der Til-Nara zog. Sollten die Insektoiden auf Streit aus sein, war er in einer denkbar ungünstigen Position.

Die Manassas ist ein gutes Schiff, dachte er besorgt. Aber mit einem Schlachtkreuzer der Hegemonie können wir es in keinem Fall aufnehmen.         Die Kontakte zwischen den Menschen und den Til-Nara beschränkten sich auf ein oder zwei Gelegenheiten, bei denen sich Schiffe beider Seiten im Tiefenraum begegnet waren. Aber damit hatte es sich dann auch. Die Til-Nara wollten in Ruhe gelassen werden und die Menschen respektierten das. Und jetzt flog ein Schlachtkreuzer von ihnen derart dicht an menschlichem Hoheitsgebiet vorbei, ohne sich zu identifizieren oder seine Absicht zu erklären. Sehr merkwürdig.

»Erhalten wir irgendwelche Anzeigen?«
»Negativ, Skipper«, antwortete Hawkins sofort. »Keine Funksignale, keine
Energiesignaturen und nur sehr schwache Anzeichen von Leben an Bord – und
wenn ich schwach sage, dann meine ich am untersten Rand der Skala.«
»Wollen Sie damit sagen, es ist ein Geisterschiff ?«, fragte Chow niemanden im
Besonderen, während sein Blick auf der Suche nach dem fremden Schiff durch
das Brückenfenster wanderte. Natürlich war es mit bloßem Auge noch kaum zu
erkennen. Nur ein ferner, sich langsam bewegender, Lichtpunkt am Horizont.
Sofort verstummten sämtliche Gespräche auf der Brücke. Matrosen waren von
jeher abergläubisch, egal ob sie die Meere eines Planeten oder das All befuhren,
und die Aussicht, einem Geisterschiff zu begegnen, ließ ihnen das Blut in den
Adern gefrieren.

»Mr. MacDouglas, alarmieren Sie die Marines. Wir schicken ein Prisenkommando
an Bord und sichern das Schiff«, wies er seinen XO schließlich an. Noch während
er sprach, lief ihm ein eisiger Schauder über den Rücken. Die feinen Härchen
an seinem Nacken richteten sich auf.
»Ich hoffe, Sie wissen, was Sie tun, Skipper«, erwiderte MacDouglas so leise,
dass nur Chow ihn hören konnte.
An diesem Schiff stimmte etwas definitiv nicht. Wenn er nur wüsste, was das
war.
»Ich hoffe es auch.«


Das Prequel zum Ruul-Konflikt:

Tödliches Kreuzfeuer

Auf den ersten Blick war der Mann nicht wirklich auffällig. Er trug einen modernen Anzug mit Krawatte, wie es derzeit Mode unter den erfolgreichen Geschäftsleuten auf dem Mars war. Seine Größe entsprach dem Durchschnitt und sein Gesicht zierte ein ordentlich getrimmter Schnurrbart, in der rechten Hand trug er eine schwarze Aktentasche. Ein Geschäftsmann unter vielen auf der Promenade, wie das Geschäfts- und Bankenviertel von Neu-Johannesburg genannt wurde.

Würde ihm aber jemand in die Augen sehen, so könnte derjenige sofort feststellen, dass mit diesem Mann irgend etwas nicht stimmte. Der Ausdruck seiner Augen war zu kalt und sein Blick fuhr prüfend umher. Fast, als würde er Ziele suchen.

Aber niemand schenkte ihm große Aufmerksamkeit. Wieso auch? Jeder hatte mit sich selbst zu tun. Es war kurz vor neun Uhr morgens und der Planet erwachte langsam. Das galt vor allem für die Promenade. Alle Arten von Geschäftsleuten eilten durch die Straßen auf der Jagd nach neuen Aufträgen, neuen Kunden oder ganz allgemein gesagt nach dem schnellen Geld. So bemerkte auch niemand, wie er die Aktentasche geschickt und unauffällig nebem dem Eingang der größten Bank des Mars auf den Boden absetzte und sich dann schnellen Schrittes entfernte.

Der Mann hatte es so eilig, dass er versehentlich eine Passantin anrempelte. Die Frau wollte sich schon lautstark beschweren, als ihr Blick den seinen kreuzte. Die Kälte in seinen Augen sandte ihr einen eiskalten Schauer über den Rücken. Sie löste sich hektisch von ihm und ging in die entgegengesetzte Richtung, so schnell sie konnte. Warum sie es auf einmal so eilig hatte, vermochte sie nicht einmal selbst zu sagen.